BLAUZUNGENKRANKHEIT
November 2016

 

 

 

Österreich wurde am 03.03.2011 von der EU Kommission BT-frei erklärt.

Allerdings wurden im Jahr 2015 wieder Fälle in Nachbarländern gemeldet,
daher  wurden an der Grenze Österreich-Ungarn wieder Sperrzonen und Überwachungszonen (siehe weiter unten) eingerichtet.

Weiters betroffene Länder: Italien, Spanien, Frankreich, Kroatien, Bosnien

 

DIE KRANKHEIT

Die Blauzungenkrankheit (Bluetongue, Maulkrankheit, Katarrhal. Fieber der Schafe) ist eine saisonale,  durch ein Virus verursachte, nicht unmittelbar von Tier zu Tier ansteckende sondern von Stechmücken übertragene Infektionskrankheit, die die Wiederkäuer betrifft. Ihr Name leitet sich von der blauen Farbe der Zunge (Leitsymptom bei Krankheitsausbruch) ab.

Vor allem Schafe können daran schwer erkranken und verenden, Rinder bilden ein Reservoir für den Erreger, ohne in der Regel selbst zu erkranken.

Die Erkrankung ist in allen Ländern Europas anzeigepflichtig. 

Das Virus ist für den Menschen nicht gefährlich, es besteht keine Ansteckungsgefahr. Auch Fleisch- und Milchprodukte können ohne Bedenken verzehrt werden.

ERREGER    
(Foto Wikipedia) Vom Blauzungenvirus sind bisher 24 Stämme bekannt, wovon der Serotyp 8 für die aktuellen Seuchenzüge und Nord- und Mitteleuropa verantwortlich ist.  
     
ÜBERTRAGUNG  

GNITZEN

Das Blauzungenvirus wird durch blutsaugende Insekten, bes. Stechmücken (Gattung Culicoides – Familie Gnitzen) übertragen. Von den mehr als 5000 Arten werden in Zentraleuropa etwa ein Dutzend als Überträger (Vektoren) verantwortlich gemacht.
Eine rein mechanische Übertragung ist auch durch andere blutsaugende
Insekten (Zecken, Schaflausfliegen) ist grundsätzlich möglich, wird aber als gering eingeschätzt.
  • 1,5 – 2,5 mm große Stechmücken
  • dämmerungs- und nachtaktiv
  • temperaturabhängig – reduzierte Aktivität bei < 12 Grad
  • selten in geschlossenen Räumen
  • Lebenszyklus 10-12 d ( Ei, 4 Larvenstadien, Puppe, Adult)
  • Lebenserwartung adulte Mücken 10 d, bei kühler Witterung 1 Mo
  • Brutplätze in nassem Boden, faulem Holz, Kompost, Mist, Gülle
Nur etwa 10% der Insekten, die das Virus aufnehmen, verbreiten es auch weiter.
Die Insekten überdauern den Winter als Ei oder Larve, die grundsätzlich kein BTV-Virus tragen. Da die Viren aber in den Blutkörperchen von Wiederkäuern bis zu 160 Tage überleben können, geht man davon aus, dass auch im Folgejahr Infektionen aufteten werden, wenn infizierte Tiere auf die neue Generation von Stechmücken treffen.
Kleiner Aktionsradius, aber Verbreitung mit dem Wind! Dabei können Mücken bis zu 200 km weit versetzt werden und anschließend am neuen Ort den Erreger weiterverbreiten.

BETROFFENE TIERARTEN

     

Rind, Schaf, Ziege, Wildwiederkäuer (Hirsche, Rehe, Steinböcke, Gemsen..), auch Lamas, Kamele, Gazellen, Giraffen, Antilopen sowie Elefanten in Zoos! Ziegen und Rinder zeigen gewöhnlich nicht immer sofort die Krankheitssymptome, sie können deshalb über einen längeren Zeitraum Virusträger sein.
     






SCHAF

Das Schaf ist wesentlich häufiger betroffen als Rind. Es erkrankt meist schwerer und die Mortalität beträgt 2 - 80%.

Nach einer Inkubationszeit von2 - 15 Tagen bekommen die Tiere Fieber das etwa 6 - 8 Tage lang anhält.

Die Kopfschleimhäute (Auge, Nase, Mund) sind gerötet, es kommt zu Augen- und Nasenausfluss, sowie zu Entzündungen und Geschwüren im Maulbereich. Dadurch Speicheln die Tiere und können Atemnot bekommen. Nur in etwa 19% der Fälle kommt es zum Symptom der blauverfärbten Zunge.

Durch Flüssigkeitsaustritt aus dem Blut ins Gewebe treten Ödeme (Wasseransammlungen im Unterhautgewebe) auf, insbesondere  Lippen, Augenlidern und Ohren.

Durch die Veränderungen im Maul- und Schlundbereich kann es auch zu Schluck- und Schlingstörungen kommen.

Da auch im Bereich der Beine Entzündungen am Kronsaum auftreten können, kommt es zu Lahmheiten.

Auch Entzündungen und Blutungen an den inneren Organen können auftreten, die schließlich zum Tod des Tieres führen können.

RIND

Rinder sind generell nicht so schwer betroffen wie Schafe. Nur etwa 5% der Rinder eines Bestandes sind meist betroffen.

Die Krankheit ist unterschiedlich schwer ausgeprägt, oft zeigen Rinder nur eines der verschiedenen möglichen Symptome.

Nach einer Inkubationszeit von 5 – 12 Tagen können Fieber, verminderter Appetit, vermehrter Speichelfluss, Veränderungen am und im Maul, sowie Zitzenveränderungen (Verfärbung, Krusten, Abschälen) und Lahmheiten auftreten.

Die betroffenen Tiere erholen sich relativ schnell, doch auch ohne sichtbare Erkrankungszeichen kann es zu Aborten, Fruchtbarkeitsstörungen und fetalen Missbildungen kommen.

 

 

 

 

 

     

VORBEUGUNG

 

 


- Stallhaltung

- planmäßige Insektenbekämpfung

- Transportrestriktionen

- Impfungen geplant

Der alleinige Einsatz von Insektiziden bietet nur einen geringen Schutz.

Stallhaltung, bes. Nachts,

Insektengitter , Insektenfallen, chemische Insektizide

Entfernung von Brutstätten der Gnitzen: Pfützen, Dunghaufen, Wasserüberläufe

     
MASSNAHMEN IM SEUCHENFALL

Sperrzone 20 km: Absolutes Verbringungsverbot (Transporte, Weiden)

Schutzzone  100 km (kein Tierverkehr nach draußen)

Überwachungszone 150 km

 

In Österreich gibt es ein Überwachungsprogramm für Bluetongue, um das Vorkommen des Erregers rechtzeitig zu erkennen und eine Ausbreitung zu verhindern:

Bluetongue- BekämpfungsVO (Dez 06)

Bluetongue – ÜberwachungsVO

Bluetongue – Krisenplan

Zuständig: 

Bundesministerium für Gesundheit, Frauen und Jugend

AGES Mödling 

Mögliche Maßnahmen bei Seuchenverdacht
(Anordnung durch Amtstierarzt)

Sperre des Betriebes

Erfassung des Tierbestandes und der Orte, wo Vektoren überleben können

Epidemiologie

Verbringungsverbot

Aufstallung und Behandlung mit Insektiziden

die Ausdehnung der Maßnahmen auf andere Betriebe ist möglich


BLAUZUNGENIMPFUNG

Eine jährliche Auffrischung der Blauzungenimpfung ist notwendig, um den Impfschutz aufrecht zu erhalten. Diese Nachimpfungen sind allerdings zur Zeit freiwillig und müssen angemeldet werden.

Grundimmunisierung:
Rinder über 3 Monate: 2 Mal im Abstand von 4 Wochen
Schafe und Ziegen über 4 Wochen: nur einmalige Impfung

Wiederholungsimpfungen derzeit jährlich empfohlen.

2008/09:  FLÄCHENDECKENDE IMPFUNGEN IN ÖSTERREICH

Von Dezember 2008 bis März 2009 wurden in Österreich alle Rinder, Schafe und Ziegen gegen die Blauzungenkrankheit geimpft.Die Kosten der gesetzlich vorgeschriebenen Impfung wurden von Bund und Land übernommen.